Essay

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Klischee und Widerspruch

Essay 25.04.2023 Zwei Ausstellungen in Basel gestatten die Wiederentdeckung eines amerikanischen Malers und einer amerikanischen Malerin. Wayne Thiebaud in der Fondation Beyeler ist als Vertreter der PopArt ein Maler der Dinge, aber diese Dinge sind keine würdigen Nachfolger der Flaschen Morandis oder der Äpfel Cézannes. Und dagegen Shirley Jaffe im Kunstmuseum Basel : Sie hat wirklich keine Möglichkeit ausgelassen. Sie hat die Massierung probiert und die Entleerung. Und sie sagt: "nein". Von Ulf Erdmann Ziegler

Gespenster hinter Milchglas

Essay 10.04.2023 Reinhard Bingener und Markus Wehner zeigen in ihrem Buch "Die Moskau-Connection", wie moralische Taubheit, maßgeblich verkörpert von der SPD, in die politische Katastrophe führte. Kumpanei mit einem Unrechtsregime trug dazu bei, es zur schlimmsten Diktatur in Europa seit Hitler und Stalin zu machen, das seine Nachbarn mit Krieg überzieht. Eine Aufarbeitung findet nicht statt. Zu breit war der gesellschaftliche Konsens für diese Politik. Heutige Koalitionspartner sind zu höflich, um einen Untersuchungsausschuss zuzulassen. Und die Opposition erst recht. Von Thierry Chervel

Marke, Geist, Ego & Sound

Essay 30.01.2023 Mit David Crosby starb vor 12 Tagen einer der ganz Großen aus der Ära des Songwritings, des Rock'n'Roll als persönliche Signatur. Crosbys superkreative Zeit mit Stills, Nash & Young, im Duo, Trio und Quartett, reichte von kurz vor Woodstock bis zum Rücktritt Richard Nixons. Wenn es darum geht, ihn zur Figur seiner Zeit zu stilisieren, fällt schnell das Wort Hippie. Weniger als Kind seiner Zeit war er ein Katalysator seiner Ära. Er fand singend heraus, wie sie sich anfühlte. Von Ulf Erdmann Ziegler

Rückkehr des Ernstfalls

Essay 05.12.2022 Der Klimawandel mit all seinen Folgen lässt uns wieder auf den harten Boden der Realität aufprallen. Das Leitmotiv kultureller Selbstverständigung lautet nun nicht mehr "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" sondern: wieviel Infragestellung von Wirklichkeit können sich die Gesellschaften des 21. Jahrhunderts noch leisten, ohne ihr Überleben zu gefährden? Dabei wird die Rückkehr des Ernstfalls sich nicht in einer Re-Essentialisierung sinnverwaister philosophischer Disziplinen erschöpfen. In der von allen Lebewesen geteilten  Atmosphäre gibt es nämlich nur Eine gemeinsame Welt. Von Daniele Dell'Agli

Erleichterung und Zufriedenheit

Essay 30.08.2022 Seit zehn Jahren läuft der Hamburger Staatsvertrag mit den Islamverbänden, und er wird wohl weiterlaufen. Der Vertrag bringt diesen Verbänden Einfluss und Status, obwohl überhaupt nicht klar ist, wen sie - außer Staaten, die Einfluss nehmen wollen - überhaupt repräsentieren. Die versprochene Evaluierung des Vertrags entpuppt sich als Wohlfühlveranstaltung. Richtig wäre eigentlich, die Sinnhaftigkeit von Staatsverträgen mit Religionsgemeinschaften grundsätzlich zu überprüfen. Von Necla Kelek, Peter Mathews

Reale Naherwartung

Essay 19.08.2022 Denis Newiak erzählt in "Blackout" vom Nutzen und Nachteil der Fiktion fürs Überleben: Er überprüft Filme und Serien auf Szenarien, die jederzeit real eintreten können, etwa die eines totalen Stromausfalls und seiner Auswirkungen auf das Funktionieren unserer Gesellschaft. Damit leitet er womöglich einen Paradigmenwechsel der Medientheorie ein. Aber andererseits können auch dytopische Serien und Filme einen Paradgmenwechsel gebrauchen: hin zu zukunftskritischen Realfiktionen. Von Daniele Dell'Agli

Entweder Nie wieder oder Nie wieder

Essay 12.05.2022 Es gibt nicht ein "Nie wieder", es gibt zwei. Es gibt ein "Nie wieder Krieg" und ein "Nie wieder Auschwitz". Sie sind alles andere als miteinander identisch. Die Emma-Brief-Autoren ziehen auch aus dem jüngsten Krieg noch die Lehren aus den fünfziger Jahren: Es zeigt sich, dass wir den Schock des Krieges viel tiefer verinnerlicht haben als den des Holocaust. Habermas, Kluge, Schwarzer und Co. haben die antitotalitären Lehren aus der Geschichte  nie gezogen. Von Thierry Chervel
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