Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.08.2026. Alle trauern um Dolly Parton, die Country-Legende, die laut SZ noch die gesamte USA hinter sich vereinen konnte. Die Filmkritik feiert Brezel Görings Berliner Undergroundfilm "Für immer 16" - die taz fühlt sich pudelwohl auf dieser bunt-bekloppten Spielwiese. Die taz erkundet mit dem Expressionisten Rolf Nesch außerdem das neuronale Netz von Hamburg. Zeit Online fragt derweil, warum alle Welt in Zürich zu Vilhelm Hammershøis ausgesprochen stillen Bildern pilgert.
25.08.2026. Die taz vernimmt in einer Bochumer Ausstellung der Neofluxus-Künstler Ei Arakawa-Nash und Yuko Mohri das "beharrlich-fordernde Trommeln der Katastrophe". Die Kunsthistorikerin Julia Voss erklärt bei Zeit Online mit Blick auf die deutsche Geschichte, warum Berlin bisher noch keine Porträtgalerie hat. Die SZ fliegt mit den Livealben des Jazzsaxofonisten Immanuel Wilkins in die harmonischen Tiefebenen der Ekstase. Die FAZ untersucht Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur.
24.08.2026. Die Berliner Philharmoniker haben unter Kirill Petrenko einen umwerfenden Saisonauftakt hingelegt, lobt die FAZ. Die NZZ am Sonntag philosophiert über den Weltuntergang im Kino. Die sizilianische Kunststadt Gibellina ist für den Standard ein sehenswertes Kuriosum. Intendant Matthias Lilienthal schildert das Volksbühnen-Freibad in der Zeit als Utopieangebot an die Stadt Berlin. Nachtkritik begibt sich mit Michael Uhls Siegfried Lenz-Inszenierung in Wilhelmshaven auf eine karg-existenzielle Schiffsreise.
22.08.2026. Im Tagesspiegel erzählt der Musikjournalist Moritz Weber, dass Chopins Briefe an Männer keinen Zweifel an dessen Homosexualität lassen. In der SZ erklärt die britische Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg, worauf bei Insektengärten zu achten ist. Die nachtkritik feiert bei der Eröffnung der Ruhrtriennale Ivo Van Hoves Destillat aus 400 David-Bowie-Songs, die FAZ ärgert sich indes über diesen "Singaufstand der Fruchtzwerge". Die taz erkennt in Faraz Shariats Justizdrama "Staatsschutz" die Folgen einer rechtsextremen Regierung.
21.08.2026. Die FAZ bewundert die flagellantische Russlandaustreibung der litauischen Theatermacherin Agnietė Lisičkinaitė. Außerdem applaudiert sie Cyril Aris Spielfilmdebüt "A Sad and Beautiful World" über den Krieg im Libanon. Die FR blickt in Frankfurt melancholisch auf eine Zeit zurück, in der Grafikdesign ohne KI möglich war. Die taz tritt mit Catherine Christer Hennix in Karlsruhe durch die Schwingtüren des Transfeminismus.
20.08.2026. Die FAZ schaut zu, was passiert, wenn Milo Rau in Tel Aviv Wagner aufführt. Außerdem verliebt sie sich in die farbigen Faltenwürfe des ungarisch-französischen Künstlers Simon Hantaï, die in einer Ausstellung in Baden-Baden zu sehen sind. Eline van der Velden, der Mensch hinter der KI-Schauspielerin Tilly Norwood, erklärt in der Zeit, warum die Filmbranche keine Angst vor KI haben muss. Der Perlentaucher lässt sich von Saša Vajdas Coming-of-Age-Film "The Lights, They Sleep" die weniger repräsentativen Seiten von Berlin zeigen.
19.08.2026. Die FAZ begeistert sich in Kopenhagen für Sebastian Kloboks getanzte Hommage an das Radio. Der Tagesspiegel bejubelt die queeren und blutigen Exzesse in Jane Schoenbruns Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma". Der Standard feiert das neue Album der Folksängerin Phoebe Bridgers, dessen schmeichelnde Klänge unbedarfte Hörer sirenengleich in den Tod locken. Die Welt ärgert sich über gedankenlos zeitgeistige Installationskunst im Bayreuther Richard-Wagner-Museum.
18.08.2026. Kapitalismuskritik von Hase, Taube und Schwein bekommen die Kritiker bei Nicolas Stemanns Inszenierung des Jelinek-Stücks "Unter Tieren" in Salzburg serviert - virtuos sind hier lediglich die Schauspieler, findet die Nachtkritik. Die FAZ staunt in der Ausstellung "Wechselwirkungen" in Berlin, wie Gemüsebilder von Kai Bornhöft und Frank Tornow Unbewusstes ans Licht bringen können. Die Autorin Valeria Luiselli erklärt im taz-Gespräch, warum man in Sizilien den Ursprung der Welt am besten spürt. Dank des Künstlers Heimo Zobernig werden aus dem Billy-Regal von Ikea auratische Aluminium-Objekte, staunt die Welt in einer Ausstellung in Berlin.
17.08.2026. Molières "Menschenfeind" kann die Kritiker in Jette Steckels Salzburger Fassung mit seiner bunten Teletubbies-Ästhetik nicht recht überzeugen. Die Jüdische Allgemeine fragt, warum Maha El Hissy, der sie Antisemitismus vorwirft, in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen wurde. Die FR bestaunt beim Filmfestival in Locarno sinnliche Handchirurgen. Steffen Kopetzky spricht mit der Zeit über die Waldbrände im Hürtgenwald. Die FAZ bewundert in Dresden japanische Holzschnitte - und ihre Fälschungen.
15.08.2026. Der Standard erliegt der cleveren Kapitalismuskritik und dem Charme einer Kuh namens Anna, die Elfriede Jelinek in Salzburg auf die Bühne bringt. Der Tagesspiegel bewundert in Susch die feministische Kunst Mariuccia Secols. Zeit online pflegt seine Melancholie mit Phoebe Bridgers' drittem Album "Lost Weekend". Die FAS unterhält sich mit Autorin Emma Cline übers Sterben. Die Italiener haben die Sünden ihrer Vergangenheit unter den Teppich gekehrt und pflegen nun eine Kultur der Unschuld, kritisiert die Autorin Melania Mazzucco in der NZZ. Critic.de sieht den letzten Film von Thomas Heise.