Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.07.2026. Die SZ widmet den Bayreuther Festspielen zu ihrem Jubiläum ein Dossier: Unter anderem erzählt der israelische Schriftsteller Etgar Keret, warum seine Mutter Wagner hörte, trotz dessen Antisemitismus. Der Guardian erhascht dank eines Fotobandes von Jem Southam einen Einblick in die geheime Skulpturenwelt des Künstlers Ray Exworth. Die Filmkritiker trauern um den Sprücheklopfer, Gammler und Lebenskünstler Werner Enke, der dem bierernsten jungen deutschen Film zu ein bisschen mehr Leichtigkeit verhalf.
22.07.2026. Der Tip Berlin fragt, warum das mit öffentlichen Geldern geförderte Berliner Kino Babylon einen lupenreinen russischen Propagandafilm zeigt. David Schalkos Serie "Braunschlag 1986" zeigt uns laut SZ, dass früher auch nicht alles besser war. Die taz begeistert sich auf der Venedig-Biennale für Videokunst von Roman Khimei und Yarema Malashchuk, die lehrt, in kriegsversehrten ukrainischen Gesichtern zu lesen. In Serbien überlässt die Vučić-Regierung ein renommiertes Theaterfestival den Zensoren, warnt der Standard.
21.07.2026. Die FAZ feiert 150 Jahre Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner erzählt, warum ein Teil des Familien-Nachlasses für die Forschung freigegeben wird. Dirigent Christian Thielemann gibt Tipps für eine gute Wagner-Aufführung: man achte auf die Mendelssohn-Einflüsse. Die taz denkt beim Betrachten der Milieu-Fotografien von Shamal Shabazz wehmütig an das New York der Achtziger zurück. Die SZ dankt den Kinogöttern, dass Christopher Nolans "Odyssee"-Film die Kinokassen füllt. Die Welt vermisst die Zeiten als große Stars noch "mythische Wesen" waren.
20.07.2026. Die Kontroverse um Danger Dan, Igor Levit und das ZDF geht weiter: Die taz sieht in dem Song "Keine Angst" keinen Aufruf zur Gewalt, die FAZ ist genervt vom Drama. Auf den Wormser Nibelungenfestspielen können die Kritiker lernen, was mit Kriemhild am Hof der Hunnen passiert ist, allerdings mit etwas zu viel Soap-Feeling. Die taz lernt die rätselumwobene Designerin Madame Grès kennen. Die Zeit ärgert sich darüber, wie unausgewogen über Dark Romance-Bücher diskutiert wird. Die FAZ lässt sich von Thomas Demands Fotos von Bühnenmodellen verzaubern.
18.07.2026. Wenn das Humboldt Forum eh angeblich nur Raubkunst zeigt, kann man es entweder ganz schließen oder auf historische Aufklärung setzen, meint die FAZ und setzt dabei aufs DHM. Es soll eine neue Internationale Bauausstellung in Berlin geben, in acht Jahren, berichtet die taz. Die Musikkritiker diskutieren weiter über Danger Dan, der mit "Keine Angst" nicht im ZDF auftreten darf. Zeit Online ist ganz für Subversion gegenüber Rechtsextremen und der AfD, aber Grüße an die militante Antifa-Hammerbande gehen gar nicht. Die SZ stört die romantische Selbstüberhöhung im Song. Skandalös wäre die Ausstrahlung gewesen, ruft die Welt. In der FR erzählt Jason Stanley, warum er nicht nach Deutschland emigriert.
17.07.2026. Die FAZ bewundert im Tel Aviv Museum Hunderte von Werken, die der Kunsthistoriker Karl Schwarz vor den Nazis rettete. Außerdem freut sie sich, dass Deep Purple so "unideologisch zeitlos" bleibt. Das ZDF hat einen Auftritt von Igor Levit und Danger Dan gecancelt, die Künstler für die Absage aber eigens anreisen lassen, kritisiert der Tagesspiegel. Die Welt ruft jenen, die von grünen Städten träumen, zu: Nicht Bäume, sondern Verdichtung bietet Kühlung.
16.07.2026. Die Filmkritiker sind sich uneins über Christopher Nolans "Odyssee"-Verfilmung: Einen erfreulich nahe an Homer angelegten Horrortrip erlebt die SZ. Der Perlentaucher wird noch einmal an die vergangene Glorie Hollywoods erinnert. Die Welt vermisst allerdings den Sex. Der Guardian erkennt in einer Enid-Marx-Ausstellung, wie lang die Briten in der Tube unbemerkt auf Botschaften über afrikanische Kunst saßen. Die Zeit amüsiert sich in Essen mit Gustave Courbet, der sich auch mal als Leiche oder Forelle malte.
15.07.2026. Geht Bayern bald besser mit NS-Raubkunst um? Die SZ ist angesichts des Vorschlags für eine neue unabhängige Expertenkommission vorsichtig optimistisch. Die nachtkritik plädiert mit Blick auf die Münchner Kammerspiele für ein Theater, das die Vielfalt gegen einen konservativen Backlash verteidigt. Eine Münchner Aufführung der Händel-Oper "Alcina" spaltet die Feuilletons: Die SZ bejubelt farbenprächtigen Barock-Sound, die Welt echauffiert sich über billige Kitsch-Kulissen. Der filmdienst fragt sich, warum Homers "Odyssee" so häufig verfilmt wird.
14.07.2026. Der Guardian huldigt in der Tate Modern den archaischen Fruchtbarkeitsgöttinen der Künstlerin Ana Mendieta. Der Schriftsteller Dinaw Mengestu ist als Präsident des amerikanischen PEN-Clubs zurückgetreten - wegen eines Artikels, der Antisemitismus anprangert, konstatiert die Welt fassungslos. In zwei Jahren wird man einen KI-Film nicht von einem gefilmten unterscheiden können, versichert der SZ die Produzentin Cecilia Shen. Und die Filmkritiker trauern um den Schauspieler Sam Neill, der leichtfüßig zwischen Blockbuster und Autorenfilm tänzelte.
13.07.2026. In der FAZ schlägt der Filmhistoriker Rainer Rother Alarm: Zu wenig Geld wird für die Sicherung des Filmerbes locker gemacht. Früher oder später wird KI das Niveau von Midcult-Literatur erreichen, ist sich die Jungle World sicher. Die Kritiker geben sich die Klinke in die Hand, um dem toten Wal Timmy im Hamburger Ernst Deutsch Theater die letzte Ehre zu erweisen. Die FAZ lässt sich von den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša mitreißen. Und sie bestaunt im Prado die gülden leuchtende Kunst des Spätmittelalters.