Caroline Wahl: 1999 Meter über dem MeerDer Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…

In den alten Anatomiebüchern fehlt sie, auf Aktzeichnungen und Gemälden ist sie nicht zu sehen. In der Literatur blieb sie ausgespart, dem Denken entzieht sie sich, körperlich wurde sie unterdrückt: Für sehr lange Zeit war die Klitoris das negierte Organ der Lust, ein dunkler, bedrohlicher Ort des Weiblichen. Diese hartnäckige Angst und Ignoranz scheint heute überwunden. Auch der Feminismus hat sich geöffnet, um angesichts queeren, inter- oder transsexuellen Lebens die Klitoris nicht mehr nur einer Weiblichkeit zuzuordnen. Und doch: Angesichts fortwährender Gewalt an Frauen bleibt sie der Ort millionenfacher Verwundung, das Mal verweigerten Genießens und verstümmelter Existenzen. In ihrem kompakten Essay, der ein ganzes Arsenal an historischen und philosophischen Beobachtungen zu einer neuen Perspektive bündelt, skizziert Catherine Malabou eine zukünftige Sprache eines nicht zuletzt weiblichen Politischen.