Das Denken, dem es um wirkliche Erkenntnis geht, sucht die Auseinandersetzung. Der Verdacht gegen das konventionelle Argument hält den Geist beweglich. Karl Heinz Bohrer sucht am Beispiel von Leitmotiven in Philosophie, Literatur und Politik das Originelle an ihnen zu entdecken. Der rote Faden seiner Abhandlungen und Vorlesungen ist der Verdacht gegen führende Ideen, und aus dieser Perspektive betrachtet er auch gegenwärtige Debatten, seien es die Achtundsechziger oder das Ende der DDR. Seine Essays beweisen die Kraft des agonalen Denkens, als Zugang zur ehrlichen Erkenntnis der Dinge.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2011
Rückgrat, wie nur wenige deutschsprachige Intellektuelle es besitzen, bescheinigt Rezensent Martin Seel Karl Heinz Bohrer nach Lektüre der in "Selbstdenker und Systemdenker" versammelten Essays über das Verhältnis von Philosophie und Literatur, die hauptsächlich aus der Zeitschrift Merkur stammen. Bohrer verteidigt jederzeit die ästhetische Vorstellungskraft gegen gesellschaftskritische Erwägungen, Formfragen stellt er über Sinnfragen und experimentierendes Denken über Systemdenken. Seel hat viel Sympathie für diese Haltung - zumal Bohrer seiner Ansicht nach ein hervorragender "Selbstdenker" ist - aber es führt auch zu Ungerechtigkeiten, wenn etwa Kant aus dem Klub der Selbstdenker ausgeschlossen wird. Am Ende sind doch beide voneinander abhängig, meint der Rezensent mit Friedrich Schlegel.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 12.10.2011
Christian Semler exzerpiert einige Beiträge aus der gerade erschienen Aufsatzsammlung des scheidenden Merkur-Herausgebers, deren thematische Bandbreite sich schwerlich auf einen Nennen bringen lässt: Da steht eine intellektuelle Selbstverortung neben einem filmhistorischem Essay oder einer Lobrede auf einen Historiker. Im Kern aber lasse sich anhand jedes Beitrags beispielhaft nachvollziehen, was heute unter unabhängigem Denken zu verstehen sei. Semlers Position wird dabei nicht immer ganz klar: Zwar lässt er sich kleinere Detailbemäkelungen im einzelnen nicht nehmen, doch legen gelegentlich eingestreute Adjektive wie "schön? und "lesenswert? den Verdacht nahe, dass er das Buch schlussendlich positiv gestimmt zugeklappt hat.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Ingo Schulze: Das Wasser im August Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…